Nach dem neuerlichen Abstecher nach Ruhpolding und den erfolglosen Zwischenstopps an Jaudenhang und Blomberg wurde es nun Zeit, Bayern den Rücken zu kehren. Insgesamt 400 km legten wir auf der ersten Etappe der Heimfahrt zurück. Mit unserem zweiten Tagesziel schloss sich quasi der Kreis, denn wie das erste Ziel am Anreisetag lag auch das letzte Ziel am Abreisetag wieder (nicht ganz zum Tournamen passend) in Baden-Württemberg. Geschmeidige sechs Stunden waren wir unterwegs, bis wir gegen 16:25 Uhr einen Parkplatz am Waldrand südlich von Sonnenbühl erreichten. Von meinem Erstbesuch mit Caruso im Jahr 2017 wusste ich zwar, dass es den Berg rauf noch weitere Parkflächen gibt, war aber der Meinung, dass der Platz dort eher begrenzt gewesen wäre. Angesichts des Traumwetters war ich daher davon ausgegangen, dass dort schon alles voll sein müsste. Tatsächlich wäre da oben noch reichlich Platz gewesen und wir hätten uns den Fußmarsch an einer der meistbesuchten Höhlen Deutschlands vorbei sparen können.
Auf der sogenannten Bärenhöhle befindet sich seit 1974 der Freizeitpark Traumland.
Die beiden Eingangs-Bilder hätte ich auch einfach aus dem 2017er-Bericht übernehmen können.
Im Märchenwald sind die Häuschen ebenfalls unverändert. Ansonsten hat sich in den sieben Jahren aber durchaus einiges getan.
Nicht zuletzt beim Eintrittspreis, der von damals 13,90€ auf 24,90€ angestiegen ist.
Dafür wurde 2022 zwischen den 7 Geißlein und Hänsel und Gretel das Igelkarussell von ART Engineering eröffnet.
Außerdem zogen 2024 die Zwillingswichtel Sini Bini und Hanni Banni zur Feier des 50-jährigen Bestehens als neue Maskottchen ein.
Dem bisherigen Maskottchen, Traumland-Bär Hansi, gefiel das zunächst natürlich nicht, aber er soll sich inzwischen mit den neuen Mitbewohnern arrangiert haben. Entworfen wurden die beiden Wichtel von Geschäftsführerin Ines Ehe, die den Park 2002 zusammen mit ihrem Mann Tobias Ehe und Hans-Ulrich Luczak (Neffe des Parkgründers) von ihrem Vater übernommen hat. Inspiriert wurde sie dabei von ihren Kindern Hannes und Sina. Dass die beiden 479 Jahre alt sein sollen, hat natürlich ebenfalls eine Bedeutung. Denn das Traumland fokussiert sich auf Familien mit kleinen Kindern und hat sich als Ziel gesetzt, dass sich 4-jährige hier genauso amüsieren wie Kinder im Alter von 7 Jahren und auch noch mit 9 Jahren.
Das von Parkgründer Hans Gebauer eigenhändig errichtete Dornröschenschloss fiel Ende 2022 leider dem Abrissbagger zum Opfer.
Die Stallungen, vor denen Georg und der Drache kämpften, mussten bereits im Jahr zuvor weichen.
Ersetzt wurden sie nämlich durch eine Feuerwehr-Fahrt samt passendem Spielplatz.
Die Feuerwehr-Fahrt wurde von Metall-Technik Kirschner in Winterberg gebaut (für den Vertrieb von deren Anlagen zeichnet offenbar abc rides verantwortlich) und ersetzte die 1990 eröffnete Oldtimer-Fahrt. Das war wohl auch einer der Gründe, weshalb man sich für eine Anlage von Kirschner entschieden hat, denn dessen Fahrzeuge waren zum Zeitpunkt der Bestellung die einzigen, welche die engen Kurvenradien von 3 Metern des bestehenden Layouts absolvieren konnten. Die Streckenführung der Oldtimer wurde nämlich beibehalten, es änderten sich lediglich die Fahrtrichtung und die Platzierung der Station. Und natürlich die Gestaltung. So sind die viersitzigen Feuerwehr-Unimogs natürlich mit einem Blaulicht ausgestattet, das von den Mitfahrern individuell ein- und ausgeschaltet werden kann. Auch die Fahrgeschwindigkeit kann - in einem gewissen Rahmen - über das Gaspedal nach Belieben gesteuert werden. Reflexlichttaster und Ultraschall sorgen als Abstandssensoren dafür, dass es nicht zu Auffahrunfällen kommt. Passend dazu wurde der Feuerwehr-Spielplatz vom finnischen Spielplatz-Spezialisten Lappset entworfen und gebaut. Er besteht aus einem Kletterturm mit Rutschen, der die Feuerwehrstation darstellt, einer sogenannten Wall-Holla - quasi eine Wand, in der man über verschiedene Ebenen ebenfalls herumklettern kann - und einem Sona. Letzterer ist ein einfacher Bogen mit zugehörigen Bodenmarkierungen, der über Knopfdruck verschiedene interaktive Spiele anbietet. Vom einfachen Dance Battle, über Aerobic bis hin zu Matheaufgaben.
Die Ihle-Oldtimer wurden - bis auf ein als Fotopunkt erhaltenes Fahrzeug - an den polnischen Park Farma Iluzji verkauft.
Gleich daneben dreht dagegen unverändert auf einer Ovalstrecke die Kleine Autobahn ihre Runden.
Unser Interesse galt jedoch primär der Neuheit der Jubiläums-Saison.
Denn Sini Bini und Hanni Banni brachten mit dem Wichtelexpress eine ausgewachsene Familienachterbahn mit.
Leider nicht zusätzlich, sondern als Ersatz für die Marienkäferbahn, die 1991 in Finnland eröffnet worden und 1996 ins Traumland umgezogen war. Der Mini-Tivoli von
Zierer soll nach einer Generalüberholung und Modernisierung weiterverkauft werden. Ich hoffe, er findet nochmal ein schönes, neues Zuhause. Unmittelbar nach dem Abbau der alten Achterbahn - und der benachbarten Eisenbahn, die innerhalb des Parks umzog - begannen die Bauarbeiten für den Wichtelexpress, der von ART Engineering geliefert wurde. Denn schon sieben Monate später sollte die neue Achterbahn für die Besucher freigegeben werden. Ein genaues Datum nannte der Park natürlich nicht, man sprach immer nur von Mai. Daher hatte ich den Park zwar als Option - wahlweise für den Anreisetag oder den Abreisetag - eingeplant, rechnete aber eher mit einer Eröffnung später im Monat. Obwohl in der Woche vor der Tour tatsächlich schon die ersten 30 Besucher (Jahreskartenbesitzer, welche die Jungfernfahrt im Rahmen eines Presse-Events gewonnen hatten) eine Runde drehen durften, mussten wir auf dem Hinweg noch mit dem Schwaben Park vorliebnehmen. Dienstags erreichte uns dann die Nachricht, dass der Wichtelexpress seit dem Vortag offiziell eröffnet sei. Perfektes Timing also, um den nagelneuen Count auf dem Heimweg auszutesten.
Leider waren wir mit der Idee am sonnigen Brückentag nicht allein, der unter der Bahn entlang führende Wartebereich war gut gefüllt.
Rund 40 Minuten dauerte es, bis wir die Station erreichten und in einem der hinteren Wagen des bunten Zuges einsteigen konnten.
Die Station selbst befand sich noch im Rohbau, es dominierten OSB-Platten und nackter Beton.
Gleiches gilt für die Strecke an sich, die über eine karge Mondlandschaft mit Erd- und Geröllhaufen führte.
Da konnten auch die ersten Steine zur Einfassung der Stützenauflage auf den Fundamenten nicht von ablenken.
Aber ich bin sicher, dass über den Winter kräftig an der Gestaltung gefeilt wurde, sodass der Wichtelexpress in der neuen Saison deutlich zauberhafter daher kommen sollte. Etwas Kritik muss ich allerdings für die Platzierung des vermeintlichen Technikraums in der Station aussprechen. Der schränkt nämlich den Zugang zu den hinteren Reihen ziemlich ein, Der Platz zwischen der Betonwand und den Gates der letzten beiden Reihen entspricht gerademal etwas mehr als der Hälfte des Bedienerhäuschens. Wäre aus meiner Sicht sinnvoller gewesen, den Raum auf die Ausstiegsseite zu verlegen, um diese Engstelle zu vermeiden. So kommt man kaum zur letzten Reihe, wenn schon jemand in der vorletzten ansteht.
Noch fix ein paar Nerd-Shots von den Reibrädern...
und von den Schleifkontakten im Bahnhof.
Dann geht es den 10 Meter hohen Reibrad-Lifthill hinauf.
Der First Drop führt dann in einer Linkskurve bis knapp unter Bodenniveau hinab.
Aus dem kleinen Graben heraus geht es über einen flachen Bunny-Hop samt Umschwung.
Es folgt eine Wendekurve, ein Tal und eine zweite Wende über das Tal des First Drops hinweg.
Anschließend wird der Wartebereich mit einem dynamischen Links-Rechts-Schwenk überflogen.
Und schließlich geht es mit wechselnden Radien und Höhenänderungen in einer langen Linkskurve zurück zur Station.
Es gibt sogar eine dezidierte Schlussbremse, die den Zug vor Einfahrt in die Station verlangsamt.
Nach den 210 Streckenmetern ist aber noch nicht Schluss.
Der Wichtelexpress absolviert nämlich gleich zwei Runden.
Eine wirklich tolle Familienachterbahn, die man sich da ins Traumland gestellt hat.
Mit überraschend viel Druck im Tal des First Drops. Ob das dem ein oder anderen Coaster-Neuling nicht schon zu heftig ist?
Dazu flotte Kurven und harmonische Umschwünge, die einfach nur Spaß machen.
Außerdem fährt sich der Wichtelexpress natürlich butterweich. Trotzdem schade, dass die Marienkäferbahn nicht bleiben konnte.
Die kam nämlich tatsächlich ohne Mindestgröße aus. Für den Wichtelexpress muss man 90 cm groß sein.
Das 40 Meter hohe Riesenrad von Nauta Bussink wurde 2023 einer Generalüberholung unterzogen.
Außerdem war das Parkcafé schonmal zur Wichtelküche umbenannt und das Speisenangebot auf (vegane) Hackbällchen ausgeweitet worden.
Dahinter gab es einst einen Parkour, der auf echten Pferden abgeritten werden konnte.
Zur Saison 2018 wurden die Ponys aber in Rente geschickt. Überhaupt hat man sich inzwischen komplett von lebenden Tieren im Traumland verabschiedet. Die Strecke durch den Wald am Parkrand entlang wurde seither mit Pedal-Gokarts (oder auf Deutsch Kettcars) absolviert. Inzwischen gehören aber auch diese schon wieder der Vergangenheit an, denn den Platz hat nun die Traumland-Eisenbahn eingenommen. Deren ehemaliger Standort gegenüber der Marienkäferbahn wurde nämlich für den Wichtelexpress gebraucht.
Der 2002 eröffnete Bienenturm von SBF wurde nach der Saison 2021 an LandErlebnis Janßen verkauft (dort bisher aber nicht aufgebaut?).
Ersetzt wurde er durch den Biberhopser aus dem Hause Zierer.
Auch die Baumstammtretbahn ist nicht mehr im Park zu finden.
Genau genommen gab es davon sogar zwei. Die mit der größeren Strecke musste 2019 der Reitbahn Wilde Gockel weichen.
Die kleinere Anlage direkt gegenüber wurde zunächst nur innerhalb des Parks versetzt, nämlich zwischen die Steinschleuder (ein 2008 eröffneter Kontiki von
Zierer gleich neben dem Biberhopser) und den Pferde- bzw. Gokart-Parkour. Für die Saison 2024 wurde die kleine Baumstammtretbahn nun ebenfalls ausgemustert. Dafür kehrten die Pferde zurück, wenn auch als Attrappen. In Sini Binis Pferdeland können sich die kleinen Nachwuchs-Reiter nun um die Pferdenachbildungen kümmern und diese frisieren.
Die Wilden Gockel stammen übrigens von Metallbau Emmeln.
Den Hasenhüpfer lieferte 2018 nochmal SBF.
2021 entstand der Spielplatz Bärenbaustelle, inklusive Traumland-Kran von Heege.
Gleich daneben findet sich der Traumland-Shop
Den größten Teil des Parks habe ich tatsächlich nicht wiedererkannt. Einzig die westliche Ecke entsprach noch meinen Erinnerungen.
Das ehemals reisende Mad House ließen wir an diesem Tag aus, obwohl es 2017 für mich ein Highlight des Parks war.
Ursprünglich als verhextes Schloss wurde es 2014 zum verrückten Waldhaus umgestaltet.
Ebenfalls 2014 wurde gegenüber die Kinder-Wildwasserbahn von abc rides eröffnet.
Angesichts des sommerlichen Wetters wohl die Attraktion mit der höchsten Wartezeit an diesem Tag - neben der neuen Achterbahn.
Auch der 2015 eröffnete Wasserspielplatz erfreute sich großer Beliebtheit.
Wir suchten nun allerdings keine Erfrischung, sondern eine Stärkung vor der langen Heimfahrt.
Vorbei an der Baby Spiel- und Krabbelecke klapperten wir daher die verschiedenen Imbissbuden des Parks ab.
Während sich mko1994 einen Burger bei der Hasenschenke bestellte, ging ich zum Bärengrill und gönnte mir eine Bratwurst im Brötchen. Als ich - die Wurst bereits verspeist - zurückkehrte, bekam mko1994 seinen Burger gerade erst ausgehändigt. Nachdem auch dieser verspeist war, machten wir uns kurz vor 18 Uhr auf den Weg zum Ausgang und über die nun recht gut befahrene Straße zurück zum Parkplatz im Tal. Am Auto angekommen starteten wir sogleich die knapp 380 km lange Heimreise. Wir kamen auch sehr gut durch, sodass wir nach rund viereinhalb Stunden Fahrzeit schließlich gegen 22:20 Uhr wieder bei mir zuhause ankamen. Auf den von mir noch vorgeschlagenen Zwischenstopp auf der Mannheimer Maimess verzichteten wir, da mko1994 die dortigen Counts bereits hatte. Außerdem waren wir nach der knappen Woche auch ziemlich durch. Am Ende waren (für mich) 28 Counts in 6 Tagen herausgesprungen, einzig der Jaudenhangflitzer (und der Kiddie am Blomberg) blieben rot. Dafür hatten wir ziemlich genau 3.000 km zurückgelegt und zusammengerechnet mehr als anderthalb Tage - also ein Viertel der Zeit - fahrend im Auto verbracht. mko1994 machte nochmals Gebrauch von meinem Gästezimmer, ehe er am Samstagmorgen dann auch die letzte Etappe zu sich nach Hause in Angriff nahm.
Fazit: Ein perfekter Abschluss einer anstrengenden aber (fast) perfekten Tour. Das Traumland auf der Bärenhöhle hat mir ja 2017 schon gefallen, ich war aber wirklich positiv überrascht, was sich in den sieben Jahren seither alles verändert hat. Gefühlt wurde der halbe Park umgekrempelt, einzig der Märchenwald direkt nach dem Eingang und der westliche Teil rund um die Wildwasserbahn war für mich noch von damals erkennbar. Und man merkt, dass bei den neueren Attraktionen auch auf eine gewisse Qualität geachtet wird - dass man den SBF-Turm gegen ein neues Modell von
Zierer ausgetauscht hat, wird sicherlich seine Gründe haben. Schade ist es natürlich um die älteren Attraktionen, die aufgrund der kleinen Fläche des Parks für Neuerungen weichen mussten. Insbesondere um die Marienkäferbahn, die vor allem von den kleineren Besuchern schmerzlich vermisst wurde und hoffentlich ein neues Zuhause finden wird. Mit dem neuen Wichtelexpress hat man dafür einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht und bietet nun auch Spaß für größere Kinder - und sogar die Eltern - ohne den Fokus auf Familien mit Kindern im Grundschulalter zu verlieren.